Trotz der anhaltenden geopolitischen Spannungen und neuerlichen Eskalation im mittleren Osten konnten die meisten globalen Aktienmärkte in den letzten Wochen weiter zulegen. Gründe dafür waren die starken Quartals- und Halbjahresergebnisse vieler Firmen, die positiven Auswirkungen der KI-Investitionen und mehrheitlich solide Konjunkturdaten.
Gebremst durch die negative Performance der Indexschwergewichte Novartis, Nestlé und Roche gab der Swiss Performance Index (SPI) leicht um 0.3% nach. Der DAX (in EUR), der Weltaktienindex MSCI World und der Schwellenländerindex MSCI Emerging Markets (beide in USD) legten hingegen um 2.5%, 2.6% bzw. 3.4% zu.
Die Ölpreise bewegten sich analog dem Nachrichtenfluss zum Iran-Krieg in einem breiten Band um die Marke von USD 90 seitwärts. Es wird geschätzt, dass per Ende August wieder rund zwei Drittel des Vorkriegsvolumens aus der Golfregion exportiert werden kann, was einen dämpfenden Einfluss auf die Preisentwicklung hat. In der Eurozone ist die Inflation im August trotzdem von 2.9% auf 3.3% angestiegen. Unter diesem Einfluss sind die Renditen von deutschen Bundesanleihen mit über 3.3% auf den höchsten Stand seit 15 Jahren gestiegen. Da sich im USD und CHF die 10-jährigen Zinsen seitwärts bewegt haben, zeigten die Anleiheindizes gehaltene Kurse.
Der neue Fed-Chef Kevin Warsh hat seine erste grosse Rede im Rahmen des Jackson Hole-Treffens Ende August genutzt, um deutlich klarer Stellung zu beziehen. Er bekräftigte das 2%-Inflationsziel als «festen, unverrückbaren» Massstab und bezeichnete die aktuelle PCE-Inflation (Personal Consumption Expenditures), den bevorzugten Indikator der US-Notenbank zur Steuerung der Geldpolitik und der Zinssätze, mit 3.7% als besorgniserregend. Damit signalisierte er so deutlich wie nie zuvor, dass eine Zinserhöhung bevorstehen könnte, sofern sich die Inflationsdynamik nicht abschwächen sollte.
Als Reaktion auf seine Ausführungen stieg die eingepreiste Wahrscheinlichkeit für eine Zinsanhebung um 0.25% an der nächsten Notenbanksitzung Mitte September von rund 35% auf fast 70%. Bis zum Jahresende wird aktuell ein Zinsschritt eingepreist, während der Markt zu Jahresbeginn noch mit zwei Zinssenkungen um jeweils 0.25% gerechnet hatte.
Weil die Zinsen für 30-jährige US-Staatsanleihen mit 5.3% den höchsten Stand seit Sommer 2007 erreicht haben, hat das Finanzministerium angekündigt, seine liquiditätsstützenden Rückkäufe von langlaufenden Staatspapieren deutlich auszuweiten. Ab dem 9. September bis vorerst zum Ende des laufenden Refinanzierungsquartals am 4. November steigt das maximale Kaufvolumen der in der Regel wöchentlich durchgeführten Transaktionen für das Laufzeitensegment 10 bis 20 Jahre und 20 bis 30 Jahre von zwei auf mindestens vier Milliarden US-Dollar. Viele Marktteilnehmende haben dies als Signal gelesen, dass die Regierung bereit ist, am langen Ende der Zinskurve einzugreifen, um einen weiteren Zinsanstieg abzudämpfen.
Mittlerweile haben die meisten unserer Portfoliofirmen ihre Halbjahresberichte vorgelegt und konnten die Erwartungen erfüllen und in vielen Fällen übertreffen. Trotzdem wurden die Ergebnisse vom Markt bisher eher zurückhaltend aufgenommen.
Aktien Schweiz mittlere und kleinere Firmen legte mit einem Plus von 1.9% am stärksten zu, wobei auch Aktien Schweiz und Aktien Schweiz Flex eine positive Performance erzielen konnten. Bei den gemischten Portfolios schnitt Format Ausgewogen International mit einem Wertzuwachs von 2.4% am besten ab. Die meisten anderen gemischten Mandate konnten ihre Benchmarks ebenfalls übertreffen. Die Performance der Fonds und Mandate seit Jahresbeginn kann über den nachfolgenden Link aufgerufen werden.
Neben der Entwicklung im mittleren Osten werden im September die Zinsentscheide der wichtigsten Notenbanken im Zentrum des Interesses stehen. Der Markt rechnet momentan mit einer Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) um 0.25%. Bei der US-Notenbank dürften der Anfang September anstehende Arbeitsmarktbericht sowie die neusten Inflationsdaten den Ausschlag geben, ob es ebenfalls zu einem Zinsschritt kommt oder nicht, während von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) ein unveränderter Leitzins erwartet wird.
Beste Grüsse
Matthias Hug und Markus Lackner
